15.03.2026 Kulturrunde | ᐸ ᐳ ᐱ |
Weiterer formeller Kram steht an: Einchexken für den Flug, der aktuell regulär fliegen soll, allerdings 45 Minuten länger wegen dem U-Turn über Aqaba. Hamsa anrufen, dass er mich morgen um 7 Uhr abholt. Lunchbag organisieren anstelle des Frühstücks, Sachen waschen.
So, fertig. Und ich so? Ich selbst bin für diesen Tag Ziel- und planlos, will aber raus. Ich packe also mal meinen kleinen Rucksackbeutel mit Badehose und beschließe, die Altstadt zu umrunden. Vielleicht ergibt sich ja was.
Also raus in den Lärm. Ich merke, dass ich mich immer mehr an die unvollkommene Kulisse der Stadt gewöhne und die schönen und bemerkenswerten Dinge finde. Zuerst fällt mir die große Moschee Ammans auf und ich steuere darauf zu. Sie ist kulturell nicht sonderlich bedeutsam, sondern ein eher moderner, 1989 gebaiter Betonkomplex. Aber ich war noch nie in einer Moschee drin und will mal schauen. 2 JD Eintritt, ich ziehe meine Sandalen aus und ich betrete die größte Moschee Jordaniens. Alles wirkt im Grunde sehr pragmatisch und gelassen. Ein paar Männer sind hier. Manche liegen einfach so herum und schlafen. Andere beten, wiederum andere knien vor einer Lesebank und lesen etwas. Einige unterhalten sich auch. Es hat irgendwie nicht so den Pathos wie in Kirchen. Es hat eher was von einem gewaltigen Wohnzimmer.
Unterhalb der Moschee befindet sich ein Konferenzraum und eine Ausstellung wichtiger Moscheen der Welt. Bilder hängen an der Wand, von Männern, die anderen Männern die Hand schütteln oder neben anderen Männerny die wichtig aussehen, in besagtem Konferenzraum sitzen. Im Eingangsbereich ist der sogenannte Wohltätigkeitsbasar mit handgemachten Souvenirs, die unter anderem von den Frauengemeinschaften angefertigt werden. Ich werde, ausnahmsweise unaufdringlich, hindurchgeführt. Besonderer Clou: sie sind in phosphorisierenden Farben bemalt. Das Licht wird ausgeschaltet und hunderte bemalter Teller erläuchten stattdessen den Raum grünlich.
Weiter geht es für mich hinunter in die Altstadt. In der jordanischen Zentralbank gibt es ein Währungsmuseum. Ich schaue auch da schnell mal rein. Dann bin ich anscheinend in einer Art Marktstraße angelangt, in der alles verkauft wird. Nur Einzelhändler, alle spezialisiert. Es erinnert mich ein wenig an As Salt, nur deutlich alltäglicher. Ich merke, wie langweilig dagegen unser westliches Geschäftstreiben geworden ist. Hier wird zwar auch umgesetzt, aber man kommt vor allem auch direkt miteinander in Kontakt. Ich ertappe mich nur wie ich denke, dass das alles auch bei AliExpress bestellbar ist, was hier als Qualität aber vor allem auch Plagiate angeboten wird. Duma, Adiboss, Kalvi Klevin. Am Ende der Basarstraße taucht das Jordanische Nationalmuseum auf. Na wenn es schonmal da ist, gehe ich hinein. Was ich erfahre, habe ich aber schon in den vielen anderen Museen und Stätten im Land erfahren. Außer die Funde der Steinzeit, die waren neu für mich. Auch wurden wieder Frauengewänder ausgestellt, bei denen erkennbar wurde, dass im Grunde jede Stadt ihr eigenes Muster hat. Wie ein Mannschaftstrikot. Ein Bauprojekt hat meine Aufmerksamkeit erregt. Jordanien plant tatsächlich, Wasser vom roten Meer ins tote Meer zu leiten, um der weiteren Verlandung des Sees entgegenzuwirken.
In einer zweiten Etage werden viele arabische Geschichten kindgerecht zum Leben erweckt. Alles in Allem: großes Gebäude, wenig Inhalt.
Mir fällt den Tag über auf, dass die Leute überall einen Platz finden zum Beten. Beim Buffet auf einer kleinen Bühne, zwischen parkenden Autos, im Saunabereich, in den Museen, in den Tempelanlagen in Petra... der Teppich ist immer mit dabei.
8 Kilometer bin ich schon wieder unterwegs und ich habe das Bedürfnis, mich irgendwo ins Wasser zu begeben. Aber was habe ich für Möglichkeiten? Das Bad gestern war eine Erfahrung, aber nicht, um einfach mal zu entspannen. Ich steuere das Grand Hyatt am 3rd Circle an. Die haben ein Spa. Und wenn ich Glück habe, kann ich vielleicht als Tagesgast hinein. Ich habe Glück. Es kostet 25 JD und dafür bekomme ich eeeeendlich meine heißersehnte Sauna, ein Dampfbad, Blubberpool, Innen- und Außenpool. Und dicke Äpfel! Genau das und nur das will ich jetzt haben. Viele junge Diplomaten, ein paar sogar aus Deutschland, nutzen das Hotel ebenfalls als Fitnessstudio. Hier drin ist eine durch und durch westliche Kukturoase. Ich checke um 16 Uhr ein und beschließe bis Ladenschluss um 22 Uhr hier herumzuhängen und das Ganze nur durch einen Gang zur Crazy Casa zum Essen nach Sonnenuntergang zu unterbrechen. Das Buffet war einfach zu gut. Endlich werde ich mal so richtig sauber. Eigentlich eine gute Kombi: Butiauehotel für 30, Spa für 25 im Hyatt. Das muss ich mir merken.
