Kalaalit Nunaat

Grönland / Island 2015

Da soll mal einer sagen ...

... es gäbe nichts mehr zu entdecken auf dieser Erde. Geographisch ist jedenfalls alles entdeckt, außer in meinem Diercke Schulatlas von 1902, den ich mal auf einem Flohmarkt erstanden habe. Dort werden die transatlantischen Seerouten der White Star Line und der Cunard Line eingezeichnet. Dort sind die transatlantischen Funkkabel in den Weltmeeren verzeichnet. Alles Relikte, die man vielleicht von "Titanic" kennt. Dort klaffen auch weiße Flecken um den Nord- und Südpol mit der Bemerkung "unerforscht". Ein Teil von mir wird neidisch, wenn er das liest.

In Zeiten von Google Maps ist die Welt regelrecht langweilig geworden. Ich bin im Grunde schon da gewesen ... in Grönland, hab mich bis auf 10 Meter an den Arctic Circle Trail herangezoomt. "Da willst du hin", hab ich mir zum Ziel gesetzt ... vor 20 Jahren schon. Damals unerreichbar, heute nur eine Frage von Zeit und Geld. Langweilig?

Der Weg ist nicht wirklich spektakulär lang. 170 km in etwa. Ein Katzensprung im vergleich zu den anderen beiden Pilgerwegen. Auf denen hatte für mich der sportliche Reiz anfangs überwogen. Für viele andere der Pilger und für mich später dann spielte Spiritualität, verschrobene Gefühle, aufgestaute Leidenschaften eine Schlüsselrolle.

Der Schlüsselreiz findet HIER eigentlich auch nur im Kopf statt. Ich stelle mir vor auf der größten Insel der Welt zu stehen, auf der nordamerikanischen Kontinentalplatte, die ich bereits in Thingvellir mit den Händen berührt habe. Ich stelle mir vor, wie ein Schüler 1902 auf den weißen Flecken haften bleibt und vor sich hinträumt ... "unerforscht". Haarscharf am Packeis entlang, keine Straße, keine Handymasten und keine sonstige Infrastruktur, sobald wir Kangerlussuaq verlassen haben. Mann, wenn es doch wirklich wahr wäre ... das mit dem "unerforscht".

"Wie kommt man darauf?" Wenn man ein Träumer ist. "Aber da ist doch kalt!" Nein, hier ist es kalt! "Und was gibt's da zu sehen?" Nichts. Nur mich, meine Freundin, Sümpfe, Mücken, eine für 4 Wochen auf den Kopf gestellte Vegetation, bevor alles wieder in -20°C erstarrt. Solange wir dort sind, wird es wohl keinen richtigen Tagesablauf geben und wir sind auf uns gestellt. Das ist das eigentliche unerforschte Abenteuer für uns und etwas Besseres kann es kaum geben. Der Reiz daran: Ich hab keine Ahnung, ob das alles gut geht.

Wenn meine Solarpanels durchhalten will ich Tagebuch schreiben nachts. Wird ja eh nicht richtig dunkel. Und sobald wir in Sisimiut angekommen sind, bekommt ihr es auch zu lesen. Was dabei herauskommt, wüsste ich auch gern ;)

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