Trans Canarias 2018-19

Trans Canarias?!

Nein, um es vorweg zu nehmen, einen Weg mit diesem Namen gibt es eigentlich nicht. Vor etwa 15 Jahren hat man sich aber dennoch dazu entschlossen die Inseln mit Wanderwegtraversen mit der Gesamtbezeichnung GR131 und Umrundungen durchs Innere der Inseln auszustatten. Sie existieren bis heute hin in einem außerordentlich guten Zustand. Nur die vielen Schilder sind der UV-Strahlng zum Opfer gefallen. Aber wer braucht in Zeiten von Smartphones und GPS Tracks denn die noch. Seit Jahren folge ich mittlerweile den Routen anderer aus dem Netz oder baue mir meine eigenen per Streetmaps, wenn es sie nicht gibt.
La Gomera ist der Anfang auf den Kanaren gewesen. Alle anderen Inseln können folgen. Mal sehen wie und wann. Aber jede der Strecken ist in einer Allein-Woche gut für mich zu meistern. Die Winter sind Sommer, ein perfektes Nebensaisonziel also, auch um die Spanischbröckchen zu erhalten. Mitgenommen wird fast nichts. Das Gepäck macht 2 Kilo ohne Wasser aus. In der Regel lege ich die Strecken barfuß zurück. Das klingt jetzt sicherlich esoterisch, aber es fühlt sich gut an auf ureigenen Sohlen die Erde zu begreifen. Das ist ineffizient, tut manchmal weh und oft werde ich gefragt, warum das denn sein muss. Ich habe aber noch nie Ablehnung erfahren. Eher verwundertes Interesse. Ich erscheine den Leuten nahbarer. Man hat wenig Hemmungen davor mich einfach darauf anzusprechen. Es scheint vielen, auch zu Hause, einfacher zu gelingen, ein vorurteilsloses Gespräch mit einem Fremden zu beginnen, wenn er keine Schuhe mehr an hat. Schafft das (Selbst)Vertrauen? Es scheint fast so. "Der muss sich Gedanken gemacht haben." Und wer sich Gedanken macht, kann ja kein schlechter Mensch sein...
Gestern fragte ein Kind seine Mutter im Vorbeigehen, was das soll. Sie sagte "weil es gesund ist". Manchmal ist genau diese Ineffizienz das Gesündeste der Welt, wenn der gedankliche Fokus nicht weiter als bis zum nächsten Schritt reicht und man so sanft aber denkbar langsam seinen Weg durch einen einzigen, großen Sinnesgarten findet. Ist es doch mal zu spitz oder dornig, helfen dünne Vibramsohlen, die nur mit Gummischnürsenkeln an großem Zeh und Ferse gehalten werden. Die Gummis reißen alle 100km. Die Sohle hält hingegen wohl noch 100 Jahre. Erstaunlich, wie wenig Abrieb eine natürliche Laufbewegung verursacht. Muss es doch mal schnell gehen, kommen die Luna Sandalen zum Einsatz. Die beste Wanderkleidung sind bei den Witterungen oft nur Badesachen und im Abgeschiedenen auch schlicht nur noch die eigene Haut. Ich sollte mich in ihr wohlfühlen. Setzt natürlich voraus, dass Kondition, Koordination, Wasserhaushalt und UV Schutz passen.
Es gibt abseits der Bettenburgen am Strand so viel Schönes, teils Privates, zu entdecken. Echte Kanaren vielleicht. Das ist alles so simpel geworden mit Internet. Man sollte sich nicht darüber hinwegtäuschen lassen. Geht das mobile Rechenzentrum kaputt, sollte man auch analog im Stande sein den Weg zu finden. Nachts auf einem stockfinsteren, spärlich markierten Wanderweg stecken zu bleiben kann als Zivilisationsgeschädigter seeehr hilflos machen. Ich weiß leider jetzt schon, die Sonne geht hier schnell unter...