Jordan Trail - darab al'urdunu - درب الأردن

13.03.2026 Jett Stream

  

Habib treffe ich im Restaurant an. Er schläft auf einer Eckbank. Ich sollte ihn wecken, wenn ich soweit wäre.
Es gibt heute Salbeitee zum Frühstück dabei. Etwas gewöhnungsbedürftig und nicht süß zu bekommen, egal wie viel Zucker ich darin verrühre. Mor fällt jetzt erst auf, dass ich dieses Jahr keine Magen-Darm-Probleme bekommen habe. Das lief gut dieses Jahr.
Habib hat einen Tipp für mich: Die Magie Petras ist am eindrucksvollsten, wenn ich ganz früh hingehen würde, am besten bevor die Sonne richtig aufgegangen ist. Dann wäre nämlich noch keiner da und... er hält inne, grinst uns rollt mit den Augen... "Why am I telling you that."
Ich hole mir mein Tag-Zwei-Ticket für 5 JD und schlendere den ganzen Tag zu allen Ecken, die in meinem Guide als "wichtig" markiert sind und bin wieder mehr oder weniger allein. Es ist manchmal beklemmend. Bei einem Opfertempel, zu dem man 200 Meter aufsteigen muss, sitzt ein Mann und schaut, ob jemand hochkommt, um einen Kaffee zu trinken. Und dann komme ich, wohlmöglich als einziger Gast an dem Tag tatsächlich hoch und trinke nichts. Mir fällt auf, dass die Jordanier wenig Rücksicht auf die Form nehmen, wenn nichts zu tun ist. Sie haben sich irgendwo Stühle zu einer Liege zusammengestellt und schlafen oder eumeln am Handy herum, was soll man auch machen. Es ist still im ganzen Park, sodass ich wirklich alles auf mich wirken lassen und in jede Höhle Hineinschauen kann, bis ich um 17 Uhr schließlich meinen abgestellten Rucksack in Habibs Hotel abhole und mit dem Linienbus die vierstündige Fahrt nach Amman antrete. Immerhin, 10 Leute sitzen im Bus. Und so geht es zurück durch die steppige Hochebene, an Orten vorbei, die mir jetzt alle etwas sagen. Beim Betrachten der Landschaft fällt mir jetzt erst so richtig auf, dass es fast nirgendwo Zäune oder Absperrungen gibt. Im Grunde kann man bei dem dünnen Bewuchs jederzeit, überall langgehen und niemand sagt was. Anders würden die Beduinen mit ihren Herden glaube ich auch gar nicht klarkommen.
Irgendwann sind wir einfach nur noch in einer flachen Wüstenebene auf 1200 Metern Höhe unterwegs auf kerzengeraden Straßen. Eine Autobahn führt 3 Stunden lang bis nach Amman entlang einer Eisenbahnstrecke. Wir Reisenden kommen an Board ins Gespräch. Zwei Japaner sitzen neben mir und sind mega excited, dass man die Raketen vom Iran sehen könnte. Sie wollen dafür extra zum toten Meer weiter reisen. Das klingt makaber, nee, das ist makaber. Hinter mir sitzt eine Syrierin. Sie kann etwas Deutsch zu war einige Jahre lang als Flüchtling in Delmenhorst untergebracht. Sie ist mit ihren deutschen und jordanischen Freunden hier, um ihre Heimat zu zeigen. Zwischendurch halten wir an einer Autobahnraststätte an, die gleichzeitig auch Keramik- und Teppichbasar ist. Daneben eine Moschee. Nahezu jeder Autohof hat hier auch eine Moschee mit grün beleuchtetem Minarett. grellbunte LEDs gepaart mit kaltweißen Strahlern sind allgegenwärtig in Orten und Raststätten. Es ist aufdringlich bunt bei Nacht in den Vororten von Amman. Die Gebäude sehen oftmals wie Baufehler oder Ruinen aus, aber bunt.
Gegen 21 Uhr erreichen wir schließlich den 7th Circle. Hier ist eine zentrale Bushaltestelle für Überlandbusse von Jett. Ich nehme mir ein Taxi zum 4th Circle. Ich möchte wieder in der Nähe zur Jordan Trail Association untergebracht sein und das Post Butique Hotel ist halb so teuer wie letztes Jahr. Der Krieg haut auch hier rein. In der Nacht häulen die Sirenen und auch die Raketenexplosionen sind wieder viel deutlicher wahrnehmbar als im Süden. Und was mache ich bis Sonntag hier noch? Hmmm... ich muss schauen... mein Taxifahrer hat mich jedenfalls umsonst hier hingebracht in der Hoffnung, ich kontaktiere ihn morgen für irgendwas Größeres.