11.03.2026 Little Petra | ᐸ ᐳ ᐱ |
Ich treffe schließlich wieder auf den Weg, der an einer Abbruchkante entlang führt, die ein großes Tal abgrenzt. Im Gegensatz zu gestern wird der Weg zur Autobahn und verläuft genau entlang einer Gesteinsschicht, in der auffällig viele Muschelversteigerungen stecken. Es wird warm, aber erstaunlicherseise sind heute keine Fliegen mehr da. Was anstrengend bleibt, ist das permanente Kurs korrigieren, weil es meist über Sandstein gehr. Ich mäandere immer so Plusminus 50 Meter um den unmarkierten Weg herum und es kostet doch wieder Zeit.
Gegen Mittag erreiche ich einen großen Baum. Soweit nichts ungewöhnliches aber darunter stehen abgeranzte Sofas und Kisten mit Decken darauf. An meinem Stab hängen alte Barbican Dosen. Hier soll man wohl Trinkpause machen. Nur schade, dass hier nicht wirklich Getränke sind, sondern nur mein neutralisiertes Flusswasser. Egal, ich habe ja auch noch ein Fladenbrot von gestern, dann mach ich's mir mal auf der Kiste gemütlich. Sie bewegt sich und ich rutsche mitsamt der Decke herunter. Darunter kommt eine alte Gefriertruhe zum Vorschein. Ich mache sie auf. Sie ist voller Getränkedosen, Schokolade und Chips...
"Wo ist die Kamera", ist mein erster Gedanke. Zwei kalte Dosen Barbican lachen mich an. Ich begreife das nicht. Wer hat das hier hingestellt? Ich suche vergebens nach einer Dose mit Schlitz, auf der 1 JD steht oder so, aber ich finde nichts. Hinter den Sitzgelegenheiten steht eine Kiste mit leeren Dosen, das ist alles. Egal, ich MUSS die zwei Dosen nehmen... und Schoki... und mache ausgiebig Pause und kann mein Glück kaum fassen.
Etwa hundert Meter weiter steht schließlich ein Beduinenzelt und eine Piste weiter hinab in einangezogenes Tal beginnt, in dem Landwirtschaft betrieben wird. Wegesrand blüht ein Strauch mit weißen Blüten. Sie riechen irgendwie nach Reis, finde ich. Nur einen Menschen zum Danke sagen, finde hier hier nicht.
Die Piste führt schließlich zurück in die Zivilisation zu einer Straße, die zu meinem Zielort Al Beyda führt. Eine Infotafel am Eingang der Piste verrät, dass ich bereits auf einem Wandernetzwerk im Einzugsgebiet von Petra unterwegs bin. Mein Ziel ist nah. Aber erst einmal 8 Kilometer Straße. Na ob da nicht vielleicht ein... 30 Minuten bin ich unterwegs, bis schließlich ein... natürlich will ich mitfahren. Wir fahren die restlichen 5 Kilometer hinab nach Al Beyda. Von dort aus ist es nicht mehr weit bis zum Etappenziel mit dem Namen Little Petra. Die Umgebung hier ist eindeutig touristisch geprägt. Viele Camps: Beduin Camp, The Rock Camp, Little Petra Camp,.Petra View Lodge... nur eines fehlt komplett: die Touristen. Ein großer Parkplatz vor dem Eingang in den sogenannten "Vorort" von Petra zeugt davon, dass hier viele Autos und Busse erwartet werden würden, wäre da nicht dieses Raketenproblem über unseren Köpfen. Shops reihen sich aneinander mit allerlei Tourikram,.in denen Frauen versuchen etwas zu verkaufen an Menschen, die auf absehbare Zeit nicht kommen werden. Ein paar Verkäufer versuchen fast flehend eine Unterkunft an mich zu vermitteln. Der Eintritt in den Felsenstadt-Vorort ist aber frei und ich bekomme einen ersten Eindruck davon, was mich wohl morgen erwarten wird. Tempel,.Behausungen, Zisternen, Bewässerungsanlagen und Treppen sind hier vor 2000 Jahren in den Fels gegraben worden. Niemenad ist da. Nur drei Ziegen huschen einmal rein, machen ein kräftig echondes "Määäh" und schwirren wieder davon. Die Location wirkt durch das gänzliche Fehlen von Leuten natürlich umso anmutiger. Alles meins. Wenn es nicht mit solch tragischen Unständen verbunden wäre, wäre es wohl der ultimative Traum eines jeden Besuchers, diese Stätten für sich allein zu haben. Aber auch hier häulen, während ich langsam von Bauwerk zu Bauwerk schlenderte, zwei Mal die Fliegersirenen los. Es rummst zweimal dumpf aus der Ferne und echot durchs das Kerbtal der Felsenstadt.
Gegen 16 Uhr begebe ich mich in den Ort, vorbei an einem Supermarkt, der komplett ausgeblutet noch genau eine Limo anbietet. Ich habe da was gesehen beim reinfahren. So ne Weltraumbehausung. Tatsächlich gibt es hier ein Grandhotel mit Sphären, unter denen man schlafen kann. Ich komme hinein und werde wieder ungläubig angeschaut. Ja, ich habe. icht gebucht und naja, vielleicht kann ich in so einer Kugel da vielleicht übernachten vielleicht? Griiiins. Ich darf. Mega Special Price. Es ist nämlich sonst niemand hier. Statt 200 JD heute nur 70. Aaaber: alles hat zu: Das Restaurant, die Bar. Kein Abendessen, kein Frühstück, kein Hotelpersonal außer dem Rezeptionisten. Aber hey. der Pool hat 12 Grad kaltes Wasser! Mehr brauche ich nicht. Ich bekomme ein Austronautenbett mit 10 Kissen unter einer Sphäre. Wieder alles meins!
Erstmal in den Pool, während der Rezeptionist meine Behausung vorbereitet. Das dauert etwas, mit Besuch hat er nicht mehr gerechnet. Das Wasser ist so herrlich kalt. Meine Geschwollenen Glieder schrumpfen wieder auf Normalmaß zurück und vor allem: ich werde wieder sauber. Auch meine Spähre hat eine Dusche, die wie eine Dusche funktioniert mit richtig normal viel Wasser aus der Brause!! Das hatte ich seit meinem Anfangshotel in Ma'in nicht mehr.
Als Allah gerufen wurde, klopft es an meiner Tür. Der Rezeptionist hat sich Burger gemacht und Pizza. Er bringt mir auch etwas davon aufs Zimmer mit den Worten "Vielleicht schmeckts nicht gut, ich habs gemacht. Ist ja keiner da." Mir egal. Es ist perfekt. Ich esse auf dem Bett und bin irritiert, dass ich in der Spähre an die 20 Reflektionen meines Essens widergespiegelt bekomme. Ein bisschen muss ich an La Palma zum Lockdown denken, in denen ähnlich improvisiert werden musste.
Es wird schnell dunkel. Die Sphäre eröffnst den Blick auf den Sternenhimmel und damit leider auch auf die Raketenflugbahn. Sehr schnelle, dunkelgelbe Punkte sind kein gutes Zeichen. Das sind die Antriebe der Raketen.
