08.03.2026 Dana | ᐸ ᐳ ᐱ |
Um 6:30 Uhr geht nichts mehr. Ich muss mich bewegen und warm kriegen. Also raus. Es ist bewölkt, das erste Mal. Nicht gut. Ich muss mich viel mehr bewegen. Langsam quält sich auch Sonnenlicht durch die Wolken zu mir und ich packe zusammen.
Den Tag über bleibt es unter 10 Grad. Es geht hinab ins Wadi unter meiner Übernachtungsstätte in eine faszinierende, schmale Schlucht. Ich soll laut Karte gleich wieder hinaus. Nee. Das muss ich mir anschauen und lasse meinen Rucksack zurück, um ein wenig hindurch zu wandern. Das würde auch Spaß machen: Von hieraus bis ins Jordantal durch die Schlucht. Viele quiekende Vögel haben hier ihre Nester.
Der Aufstieg ist moderat, aber ewig lang, führt mich durch eine Ortschaft und einer nicht fertig gestellten Autobahn bis auf 1500 Meter Höhe hinauf. Ein saukalter Wind pfeift, der meine Glieder steif werden lässt, bis ich schließlich über den Zenit zum nächsten Tal schauen kann. Schlagartig verändert sich die Vegetation. Wo eben noch Wüste war, kommen auf einmal Kiefernwälder in Sicht. Die Hänge sind bewaldet. Weit unten strebt das Wadi Dana von mir weg und sieht komplett anders aus als alle Wadis vorher. Es ist geprägt durcht zerklüfteten, roten Sandstein und zieht sich lang durch in das -400 Meter tief gelegene Jordantal, das jetzt sehr breit geworden ist. Das Tote Meer habe ich mittlerweile hinter mir gelassen. Wunderschön sieht das Tal aus. Vor mir liegt das Dorf Dana zum Tal hin exponiert am Hang. Mein heutiges Ziel.
Der Ort ist relativ verlassen, besteht aber fast ausschließlich aus Fremdenunterkünften. Hiér ist an wärmeren Tagen - bzw. wenn gerade kein Krieg ist - sicherlich viel Wandertourismus. Ich habe mich für gnadenlose 10 JD ist Dana Tower Hotel eingebucht. Es ist ein Klötzchenwirrwar aus Mini-Zimmerchen, die man über schmale Treppen und Leitern erreicht. Auch ein Turmzimmer gibt mit Blick auf das imposante Tal. Tatsächlich bin ich nicht der einzige Gast heute.
Erstmal duschen und dann die morgige Etappe planen. Drei Wild Camps folgen im sechsten Abschnitt bzw. im diesjährigen dritten Drittel des Jordan Trails aufeinander. Das will ich nicht durchhalten müssen. Aber es kommt auch nur noch eine vom Weg abgelegene Ortschaft zwischendurch. Und angeblich keine Straßen! Zum Glück Wasser überall, wobei ich bei den Temperaturen kaum mehr als einen Liter pro Etappe benötige auf dem Weg.
Danach besuche ich das hiesige Visitors Center des Dana Reservats, das diesmal deutlich professioneller geführt ist und auch geöffnet hat. Ich erfahre, dass Wadi Dana eine einzigartige Biosphäre ist mit vier unterschiedlichen Zonen und hunderten Arten, von denen drei sogar endemisch sind. Boah ich würde da so gerne rein. Ein Blick auf den Trail zeigt, dass die morgige Strecke tatsächlich lang und 1000 Meter abwärts hindurchführt. Genial. Eigentlich müsste ich eine Gebühr dafür zahlen. Weil ich aber den Trailpass habe, darf ich einfach so hinein.
Na dann, auf zurück. Mir ist kalt und ich will unter die Decke, bis das Abendessen fertig ist. Im Hausflut zur Wohnung darf man sich verewigen. Gut, soviel Zeit muss sein. Man kann mich jetzt am der Wand suchen und finden. Mal sehen, ob ich von irgendwem mal Post bekomme ;-)
Das Abendessen hat Selma gekocht. Sie ist Köchin aus Bangladesch und vor 8 Jahren mit 20 ausgewandert, um hier ihr Glück zu suchen. Sie kocht für drei. Neben mir wohnt ein Ehepaar. Wolfram und Iris aus Chemnitz hat das selbe Schicksal wie mich ereilt. Sie sind am 27.2. aus Frankfurt angereist. Da war der Luftraum über Israel noch geöffnet. Jetzt sind sie ebenfalls hier, allerdings mit Mietwagen und nehmen es gelassen. Beim Essen kommen wir lange ins Gespräch. Sie sind beide Rentner und gut dabei, Sie bleiben mehrere Tage in Dana als Basislager und gehen viele Tagestouren von hier aus. Seit sie jung waren erwandern sie,.was geht. Ich nehme mir die beiden zum Vorbild. Wenn ich so drauf bin mit 60, dann ist alles gut. Sie verraten mir, dass es an meinem morgigen Zielort eine antike Kupfermine geben soll.
Ich muss wieder ins Bett. Die paar Stündchen Schlaf gestern waren nicht ausreichend. Selma stellt mir noch eine Gasflasche ins Zimmer für meinen Ofen. Draußen bellt sich ein ganzes Hundeorchester die Seele aus dem Leib. Nach Einbruch der Dunkelheit werden sie furchtbar aktiv und reizen sich gegenseitig bis zur Erschöpfung am. Gut, das sie draußen sind und ich hier in meinem Turmzimmerchen.
