Jordan Trail - darab al'urdunu - درب الأردن

07.03.2026 Al Ma'tan

  

Bummmmms. Der war laut. 6 Uhr. Es ist noch nicht hell. Der Feuerschweif einer abgefangen Rakete geht über Israel nieder und weckt mich auf, dann ein Blitz. Keine Sirenen. Also war es wohl nicht über Jordanien. Es produziert immer einen Kloß im Bauch, wenn ich das mitbekomme. Und dann sitze ich alleine in einem Hotel irgendwo vor Ais. Nun, jetzt bin ich wach. Dann kann ich mich auch fertig machen und bei Sonnenaufgang gleich losziehen.
Im Hotel treffe ich niemanden an und lege meinen Schlüssel unten an die Rezeption. Es ist saukalt und die Sonne noch in einer Art Nebel verhangen. Mein Weg führt mich durch zersiedelte Gegend und noch mehr Gegend. Zum Glück auf einer autoleeren Schnellstraße und ich kann ordentlich Kilometer machen zu Anfang. Die Betonstützwände am Ortsausgang wurde von Schulkindern gestaltet und hat Themen wie "Achtet auf Fußgänger im Straßenverkehr" und "Liebe statt Krieg". Daneben haben die Kinder ihre Handabdrücke mit Farbe abgedruckt. Ich passiere eine Betonfabrik, zu der stetig Mischmaschinen hin und wieder wegfahren. Man grüßt mich. Nach der Gegend folgt noch mehr Gegend. Manchmal passiere ich irgendwo einen pfadlosen Hügel, um zu einer weiteren Straße mit noch mehr Gegend zu kommen. Eindeutig das uninspirierendste Stück Trail bislang. Schwer ein Fotomotiv zu finden. Käfer finde ich viele. Richtig große sogar. Und haufenweise Raupen laufen überall herum. Raupenwanderung. Wenn ich stehenbleibe,.rollen sie sich zusammen und stellen sich tot. So erreiche ich etwas gelangweilt irgendwann das nächste Kerbtal, das wohl morgen meine Etappe ausmachen wird. Viele Autos bieten mir Hilfe an. Ich habe bestimmt 10 mal dankend abgelehnt. Heute bin ich in keiner Sackgasse gelandet und möchte wirklich gerne laufen. Das trifft immer auf Unverständnis.
Ich bin früh am heutigen Etappenziel Ma'tan. Eine alte Dorfruine und ein Besucherzentrum zeigen an, dass es was zu sehen gibt. Übernachten soll man hier auch können. Aber auch diese Einrichtung sieht völlig verwahrlost aus. Keiner da. Nur Parkplätze für Besucher, die nicht kommen. Hmm... dann also kein Bett. Aber ich hätte doch gerne einen Stempel, den es hier angeblich geben soll. An einem Fenster steht eine Telefonnummer. Ich rufe an. Es meldet sich ein verwunderter Mann. Nee, die Lodge ist wohl geschlossen worden. Aber den Stempel, den hat er. Ich darf mein Zelt im Garten der Anlage aufstellen. Er käme gleich rum und macht mir die Dusche auf. Klingt nach einem guten Kompromiss. Im Garten finde ich eine Holzveranda mit Dach. Perfekt für mein Zelt, Das isoliert gut von unten. Es soll 4 Grad kalt werden in der Nacht. Ich baue auf, gehe in die Dusche, bei der ich versehentlich die ganze Armatur aus der Wand reiße und schaue mir das Ruinendorf an. Naja. Nett. Jetzt ist 14 Uhr, was mache ich denn jetzt? Ich habe Hunger. Dachte, hier gäb's was. Aber soll ich echt wieder 3km hoch in den Ort laufen? Weiß nicht. Während ich so unschlüssig rumsitze kommt ein Auto. Zwei Männer darin. Wir grüßen uns und ich erzähle mein übliches Blabla vom Trail quer durchs Land und zu Fuß und so. Ist immer ein Türöffner. Sie sind begeistert. Ob sie was für mich tun könnten, fragen sie. Hmmm... na ihr wollt doch bestimmt hoch in den Ort zurück?! Wollen sie. Nehmt ihr mich mit zum Supermarkt? Machen sie und freuen sich, helfen zu können. Sie können gutes Englisch und so kommt auch mal eine richtige Unterhaltung zustande. Es macht ihnen so viel Spaß, dass sie mir auch noch ihre Neffen vorstellen, die mich fragen, ob ich Amerika mag... oooooh diese Fettnäpfchen immer. Lasst das. Selbstverständlich fahren sie mich auch wieder die 3km runter zum Visitors Center.
30 Minuten später stehe ich wieder vor meinem Zelt mit einer vollen Tüte Zeug und einer geschenkten Packung Süßkram, das wie Seife schmeckt aber sehr hübsch bunt ist. Ich muss lachen. Ich muss ja nur "einkaufen" denken und ein halb kaputtes Auto kommt herbeigeeilt, um alles möglich zu machen, was nötig ist. Es passiert so selbstverständlich, dass ich nicht mehr wirklich von Glück sprechen kann. Dafür liebe ich Jordanien.