Oliver

27.08.2016 Trá Lí

Die Stadt ist nicht besonders schön, eher funktional. Es gibt eine Einkaufsstraße, die aber auch stark befahren ist. Dingle hatte dagegen einen im Ursprung erhaltenen Charme. Aber wo liegt überhaupt der Ursprung? Wie alt ist Irland eigentlich? Wir beschließen etwas Kultur zu tanken und gehen ins Kerry County Museum. Es gibt also einen Nationalhelden, Roger Casement, der vor exakt 100 Jahren als Verräter an der britischen Krone gehängt wurde, weil er die irische Unabhängigkeit vorantreiben wollte und einen Widerstand organisierte. Ich erfahre, dass Irland seit 1607 nicht mehr unabhängig war und erst 1949 wieder unabhängig wurde. Tom Crean bekommt sein eigenes Räumchen. Die Prähistorik ebenso. Man kann ja noch viel davon im Land entdecken, die Steingräber, Monolithen mit einer Art Keilschrift. Dann kommt bis zum Mittelalter eine Menge Dunkel und viel Mystik, wovon sich heutzutage vorwiegend die Ornamente und Symbole in Form von Arschgeweiehen und Esokram erhalten haben, weniger die Geschichte. Das Mittelalter ist zumindest aus Tralee gänzlich verschwunden. Nachfolgende Herrscher brannten alles nieder und bauten ihren Kram drauf. Deshalb bekommt das mittelalterliche Tralee eine illusorisch perfekte Wiedergeburt im Keller des Museums spendiert. Sieht toll aus, kann aber jede Stadt im Mittelalter darstellen. Die Stadt hatte damals 600 Einwohner. Das war groß.
Der Kopf ist voll, der Magen leer. Leonie hat gestern einen Laden namens Quinlan Fish Co. empfohlen. Der macht uns Riesenhechte auf handgemachten, truly authentic "real" fried Chips. Lecker!
Abends gehen wir ins Volkstheater. Dort tritt eine Gruppe auf und präsentiert einen Abriss der irischen Volksmusik. Macht Spaß zuzugucken, wenn Iren Iren in Irland sind. Das ist stimmig. Und so sehen wir auch gleich eine berühmte Botschafterin des Landes beim Stepptanz: die Rose of Tralee 2015. Das ist die Blonde, die etwas eingefroren lächelt. Aber sie hat für die Iren eine nicht zu verachtende politische Symbolkraft und verbindet das Volk international. Auch Exil-Irinen können und sollen gekürt werden und weltweit für die Einheit werben.
Apropos Symbolkraft: Auch der Kerry Camino hat in Tralee bei der Kathedrale seinen Anfang. Pilger und Geistliche von Tralee sind wohl tatsächlich von Dingle nach A Coruña geschippert. Aber man hat auch noch andere passende Gründe für den Weg gefunden. Ein wenig herkonstruiert wirkt es dann aber doch. Pilgern ist immer noch schwer angesagt. Wandern sowieso. Der Dingle Way selbst hat im den Jahren deutlich an Besuchern zugelegt, hat uns Kathy versichert. Und es sind vor allem die Deutschen. Na solange man uns nicht beschuldigt die Hügel und Küsten platt zu marschieren kann ich damit leben.
Morgen geht's schon auf die letzte Etappe in Richtung Flughafen. Punktlandung sozusagen.




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