Oliver

17.08.2016 Killorglin

Letzte Nacht ist der Regen gekommen. Aber ich hab noch ein schönes Plätzchen gefunden für heute Abend. Wir machen eine kleine Etappe von 14km nach Killorglin. Wir verabschieden uns schließlich mit einer rituellen Blumenniederlegung vom Kerry Way und es fängt an zu regnen. Das ging jetzt alles irgendwie schneller als gedacht. Schon haben wir den Ring of Kerry hinter uns gelassen. Und es ist interessant, wie schnell ich verdränge, dass es die letzten zwei Tage anstrengend war. Heute läuft alles wie am Schnürchen. Mag daran liegen, dass ich weiß, dass die Strecke kurz ist. Wir spannen die Regenschutzschilde auf und so geht es entlang eines Sees durch einen alten Wald. Die Gegend mit ein paar versprengten Anwesen am See wirkt irgendwie verwunschen; gerade jetzt im Sprühregen. Sie heißt Islandboy. Und weil ansonsten bis Gleinbeigh heute eigentlich nichts weiter interessant war und ich jetzt eigentlich aufhören könnte aber noch warten muss, bis das Bad frei wird, kann man ja mal fragen: Was mag damit gemeint sein: Inseljunge? Das wäre zu einfach. Es gibt eine Definition für Staten Island Boy. Die gefällt mir zwar, gehört aber schon zu der Stadt über den Teich, trotzdem cool: "The typical staten island boy is the type of boy who spends more than a half hour on his hair... who thinks he is gods gift to earth... who uses the word bro, pronounced brah... who drives around in his car trying to pick up those great typical staten island girls... who are typically defined as wangsters, wiggas, and or guidos... boys who think that smoking pot is the coolest thing to do on a friday night...who need to grow up... and more or less, boys who need a reality check." Herrlich. Was finde ich noch?... "Island Boy is a 1988 book by Barbara Cooney. It tells the story of a boy named Matthias, who travels around the world but eventually returns to his home on Tibbetts Island in Maine." Hmm... Würde zwar gut zum Thema passen, aber ist es das? Eher nicht. Weiter suchen... Es gibt eine Band namens Island Boy, die macht Independentmusik. Nein. "The Irish name for Islandboy is An tOileán Buí" Aah, wir kommen der Sache näher. Google Translator sagt, das heißt "Volle Insel". Naja Google sagt das, aber was kann Boy bedeuten? Ich finde nur die Übersetzung für Junge. Ich gehe erstmal davon aus, dass es schlicht Inseljunge heißen soll. Frances hat aber schon herausgefunden, dass Buí Gelb bedeutet. Dann könnte es Die Gelbe Insel bedeuten? Bei einem See ohne erkennbare Insel? Vielleicht weiß unsere B&B-Besitzerin mehr. Ich frage morgen früh mal.
Frances sitzt gerade oben in der Badewanne. Heute wollen wir einmal alle Sachen durchwaschen, es macht sich langsam ein permanenter süßlicher Geruch darin breit. Ich sitze aber noch unten in einem typischen britisch eingerichteten Wohnzimmer und gucke Olympia. Der Stil mit antiken Säulenelementen, schwere dunkle Ledersessel, Stoffschirmlampen, schnörkelige Mustern auf dem schweren Teppich und im Deckenstuck, das hat immer etwas naiv dekadentes an sich, aber durch die Enge ist es gleichzeitig gemütlich. Es passt hier hin, aber es würde bei uns zu Hause lächerlich wirken, finde ich. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass diese Art der Einrichtung sehr auf die USA abgefärbt hat. Gerade jetzt wo wir House of Cards gucken, könnte dieses Zimmer auch als Oval Office für Arme durchgehen.
So. Genug geplaudert. Frances ist sauber. Ich gehe jetzt duschen. Heute Abend wollen wir es essenstechnisch krachen lassen. Wir haben extra kein Frühstück mitbestellt. Da muss ich mich noch stadtfein machen und mich mal kämmen oder so.

Entdeckung des Tages: Das Yield-Shield




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