Da, wo das Wetter gemacht wird...

31.08.2018 Heldenumstand

Was machen denn Helden so aus. Sie müssen per Definition irgendetwas Außeralltägliches machen. Hmmmm... Also wählen gehen. Oder zum Zahnarzt. Blumen für die Frau kaufen, ein Youtube Video hochladen. Na wenn einen das schon über den Stand anderer Menschen im Allgemeinen hebt, warum nicht.
Vor drei Tagen wären Teile eines Mannes 60 geworden, der Held und Antiheld war und dabei hochstilisiert wurde bis zur gottgleichen Ikone. Ich selbst glaube, das ist eine Anreihung von Zufällen, ob jemand zum Held wird oder nicht. Eine bestimmte Epoche, Schicksalsschläge, Erziehung, Emanzipation, Kreativität und dann ein Schlüsselereignis, das alles zusammenführt und zack ist man ein Held. Das geht dann viral und mit viel Glück bleibt man dann einer, egal was man macht, selbst wenn man alles betreibt, um seinen Heldenstatus zu dekonstruieren. Michael Jackson ist vielleicht auch so ein Held, den ich absolut faszinierend finde, vor allem weil so viele Schlüsselfaktoren zusammemlaufen. Ja, die Musik fand ich als 11jähiger auch toll, wer nicht. Ich vermute aber, so ein Phänomen wird es in der Form vielleicht zu meinen Lebzeiten nicht mehr geben. Ein Mensch wird ab dem 5. Jahr zu Höchstleistungen gezwungen, ist erfolgreich als Kind, macht Schwarze Musik in einer diskriminierungsreichen Zeit, die weiß klingt, erfindet sich neu, ist noch viel erfolgreicher, profitiert von der Erfindung des Musikvideos, kein Internet, wenig Alternativen, Pepsi will sein Billigimage loswerden, Vitiligo, Operationen, Androgynität, Minderwertigkeitskomplexe, Hautfarbenwechsel von Schwarz nach Weiß, Asche und noch mehr Asche. Dann ein Brandunfall, Schmerzmittel, inszenierte Skandale, Selbstverstümmelung als Selbstverwirklichung bis zum Tod. Eine chaotisch verklärte Mischung aus alldem macht daraus den größten Künstler aller Zeiten. Ich kenne eigentlich niemanden, der keine Meinung dazu entwickelt hat. Ich hab mich immer gefragt, was er so macht und denkt, wenn er seine Nasenprotese und die Perücken ablegt. Am Ende hab ich doch die selben Bedürfnisse. Jedenfalls fühlt der Kerl sich beim Malen so an, wenn man versucht die markanten Punkte zu identifizieren. Der Held ist ein Mensch, hat Augenfalten, Wangenknochen, Zähne, nur die Nase ist... nicht mehr von dieser Welt. Aber sonst, alles, was ich auch hab. Sogar Kleidung. Ich glaube vielmehr, der eigentliche Held ist die Schnittmenge der Ereignisse. Per Zufall geht ein Mensch in die Mitte der größtmöglichen Korrelation zwischen den Ereignissen und alles projiziert sich auf denjenigen, der die Hand hebt und diese konzentrierte Strahlkraft in einem Glitzerhandschuh manifestiert. Heißt, es hätte jeder andere sein können und Michael Jackson wäre vielleicht Kranfahrer geworden. Ich glaube nicht daran, dass der Mensch selbst außergewöhnlicher ist als ich. Ist das nicht tröstlich und trostlos zugleich? Einerseits kann ich zu keinem Vorbild mehr aufblicken, andererseits macht es alles auch irgendwie erträglicher. Ich kann so wandelnde Kreissägen wie Bill Kaulitz, Heidi Klum und Lady Gaga... von mir aus auch Angela Merkel... betrachten und sehe nur noch ein unschuldiges Medium, das Opfer seiner Umstände wurde. Kann ich das auf die ganze Welt projizieren? Ich glaube, ich muss mir das noch einmal auf dem Weg hoch zum Eremitenbaum durch den Kopf gehen lassen...



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