Da, wo das Wetter gemacht wird...

29.08.2018 Valle Gran Rey

In der Nacht bricht hier oben der Sturm los und es wird kalt. Es passt zu der Vorstellung, hier direkt an der Klippe zu wohnen. Bis zum Morgen nimmt der Wind nicht ab und so gehe ich 10 Uhr... (endlich hab ich begriffen, dass ich 5 Tage lang uhrzeitmäßig ne Stunde zuviel abgezogen hab... komisch, dass ich die Fähre aber bekommen hab)... weiter in Richtung Valle Gran Rey. 6,5 Km. 4 Stunden plane ich mir ein. Dann gibts keine böse Erkenntnis. Es geht wieder zur Steilwand, die jetzt gepaart mit dem Wind eine Herausforderung wird. Zum Glück gehts nur geradeaus und unweit der Einstiegsstelle lugt weit unten bereits der Touristenort durch die Talkerbe hervor. Je näher ich komme, desto mehr versuche ich bekannte Anhaltspunkte von vor 18 Jahren zu identifizieren. Auf der gegenüberliegenden Seite schlängelt sich die Hauptstraße in Serpentinen hinab. Das kenne ich noch. Ich selbst steuere auf eine Art Gipfel zu. 912m sagt das Navi. Ja hey. Toll. Wo ist der Gipfelstempel? Langweilig. Im Umkreis erstreckt sich ein Hochplateau mit einer aufgegebenen Finka. Terassenfelder selbst an den Steilwänden. Wer wollte denn hier den Winden den Kampf ansagen und womit? Über die Ebene hinweg dem Wind folgend ziehen die Wollen ebenfalls weg von der Insel hin zu einer weiteren, scheinbar im Himmel schwebenden Doppelinsel mit riesigem Wolkenfeld dazwischen. Na wenn das nicht La Palma ist und der Wolkenfang die Kaldera. Auch schon wieder 10 Jahre her, dass ich mit Corinna dort war. Hier oben wächst nichts über Bodennähe. Außer eins. Direkt an der Klippe steht ein Eremit von Baum. Den kenn ich auch. Wir sind hier damals hochgestiegen. Er thront auf dem Berghang und ist bis hinunter ins Tal deutlich zu sehen. Das ist für bisher mein persönliches Gipfelkreuz. Da muss ich natürlich hin. Gesagt getan.... so... nochn Ich-war-hier-Selfie... und ab nach unten, ich krieg Hunger! 2,6 km. Das dauert dann auch noch einmal zwei Stunden. Mir grauts imsgeheim vor der Etappe nach Valle Gran Rey. 22,6 km inkl. Berge. Da muss ich mir noch was einfallen lassen. Zeit genug hab ich dafür. Mein Ziel - und das für die nächsten vier Tage - ist für meine Verhältnisse schon fast dekadent. Das Hotel Gran Rey. Mit Pool auf dem Dach. Sieht aus wie ein gestrandetes Kreuzfahrtschiff und war lange Zeit das einzige Hotel hier. Heute sieht das etwas anders aus. Aber der Ort hat seinen Charme einer vom Tourismus links liegen gelassenen SloMo-Oase nicht verloren. Nur der damalige Sandstrand ist komplett verschwunden und dicken Wackersteinen gewichen. Ich meine mich zu erinnern, dass der nur im Frühjahr vorhanden ist.
Im örtlichen Supermarkt hab ich mir Brötchen, Käse und Sangria gekauft. Buah, den sollte man nicht zum Durst löschen trinken. Egal, ich kann noch alle Tasten sehen. Sogar die leicht versetzten Backuptasten, falls man sie verfehlt. Und so liege ich meines Erachtens wohlverdient nach bislang 70km Weg und 5000 Höhenmetern auf dem Sonnendeck und damit im Solarium, hab Radar und schreibe meinen heutigen Text, bis die Sekunden ins blaue Meer fliegen und die Sonne mitsich nehmen.



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