Da, wo das Wetter gemacht wird...

28.08.2018 Arure

Heute also 13km. Habe Respekt. Zweimal gehts rauf über 800 und wieder auf Meereshöhe. Wer denkt sich sowas aus. Also los. Und gleich gehts steil bergauf, diesmal in Fichtenwälder, verfeinert mit Brombeerbüschen, fleischigen Steingewächsen und Fenchel. Wieder 800m hinauf. Aber das Kopfweh ist weg. Ich hab 2 Liter vorgetrunken. Alles ist jetzt klar. Endlich ists schön zu laufen und sich zu fordern. Konditionell macht mir derzeit eigentlich keiner so schnell was vor. Pausen brauche ich eigentlich keine. Nur zum Foto machen. Ansonsten ringt La Gomera landschaftlich gerade Kreta den Rang ab. Keine sinnlosen Plastikschläuche, kein Leichengeruch von Ziegen, keine Täler voller PET Flaschen. Die Insulaner mögens nett. Jedes kleine Dörfen sieht irgendwie rausgeputzt aus. Geranientöpfe auf den Straßen, Spielplätze für Erwachsene, die wie ein Open Air Fitnessstudio ausgestattet sind, darin Menschen jeder Altersgruppe, die sich was erzählen. Wie damals auf dem Jakobsweg eigentlich. Nur dass ich jetzt sogar was verstehe.
8km sinds bis zum Küstenörtchen Alojera. Eigentlich Etappenziel, aber hier gabs keine Unterkunft mehr. Über den letzten Bergkamm gehts wieder steil abwärts. Palmen und verdorrtes Gras. Es ist kühl und windig. Der Weg führt entlang vieler gut gefüllter Zisternen. Viel Trinkwasser zum Abgreifen, was auch wieder nötig wird. Unten angekommen ein Schild zum Etappenziel. Ein Bergdorf namens Arure. 3,9km. Und wo? Man sieht nichts da oben. Auf einem Anstieg wird mir klar, das ist diesmal tatsächlich ganz ganz oben. Boah und das um 16 Uhr. Es geht drei Eifeltürme hinauf bis auf 950m. Noch einmal 3 Stunden quer entlang gigantischer Steilwände. Mir kann doch nicht schon wieder das Wasser knapp werden. Mein Navi sagt 600m. Aber das kann doch kein Höhlendorf in einer Steilwand sein! Dann endet der Weg abrupt in einer Aussichtsplattform, ein Rundbogen, aus dessen Richtung eiskalter Wind entgegenbläst, bildet ein Portal zur Hochebene. Dahinter, direkt an der Klippe, auf 900m Höhe, das Bergdorf Arure, auf dass sich gerade langsam ein Wolkenfall vom Inselinneren zuwälzt. Was für eine Dramatik. Und wieder 9 Stunden auf der Uhr. 1600 Höhenmeter. Lächerliche 13km.
Ansonsten nix los hier außer ein paar Ziegen. Den Schlüssel zu meinem heutigen Domizil bekomme ich im nahegelegenen Restaurant Jape. Auch meinen heißgeliebten Fisch mit Salzkartoffeln bekomme ich. Futtern bis es dunkel wird. 20h. Dunkel. Was ist das jetzt? Echte 20 Uhr? Das plärrende TV an der Decke der sehr pragmatisch eingerichten Esshalle mit Stahlbar sagt ja. Keiner kann Englisch hier. Und wer hätte das gedacht. Ich sage spanische Sätze und man antwortet mir und ist augenscheinlich froh, sich nicht ausschließlich in Gebärden verständigen zu müssen. Irgendeine Zukunfts- und eine Vergangenheitsform klappen auch. Nur das Auseinanderhalten von ser und estar läuft auf dem Papier entschieden besser als verbal. Ich bekomme sogar ne Flasche Cola geschenkt, als ich erzähle, dass ich die Insel umrunde. Recht so. Der Junge trinkt schließlich immer zu wenig, wenn er aus dem Haus geht.



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