Da, wo das Wetter gemacht wird...

07.09.2018 San Sebastián

Um halb 7 klingelt der Wecker. Draußen hängt eine Mondsichel am Himmel, die nach oben geöffnet ist. Es wírd gerade hell. Ich will den Bus von Imada um 7 Uhr nach Playa de Santiago nehmen und dort weiterlaufen, wo ich vor vier Tagen aufgehört habe. Noch ein drittes Mal die Straße hinunterlaufen, will ich mir aber sparen. Der Himmel wird regenbogenbunt vor einer schwarzen Silhouette des Teide, während es stetig abwärts geht. Irgendwann, mit einem Mal, beschlagen die Fensterscheiben. Es wírd wieder feuchtwarm. Ich steige am Hotel mit Aufzug aus und laufe los, dem Sonnenaufgang entgegen. Noch einmal 22,5km. Und die Strecke ist nicht schön. Viel ödes Land und stetiges Raufrunter auf scharfkantigen Steinen. Na toll, das Beste zum Schluss oder wie. Viele verlassene, historische Finkas und jedes Plateau ist mit aufgegebenen Terassen überzogen. Ich zähle nur noch die Kilometersteine. Lichtpunkt war El Cabrito. Eine vom Straßennetz abgeschnittene Finka, die nur per Boot erreichbar ist. Trotzdem ist hier auch ein abgelesenes Hotel mit Bar am Kieselstrand. Damit hätte ich nicht gerechnet. Ein Tal weiter liegt eine weitere malerische Bucht. Ich will aber ankommen und bin viel langsamer als gehofft. 10 Stunden nach Aufbruch, um halb 6 abends. Und dann stehe ich schließlich, 14 Tage später, wieder dort, wo ich losgelegt bin. An der Infotafel, die Anfang und Ende des GR132 darstellt. Der Letzte Kilometerstein ist 127. Das Parador Conde de La Gomera, mein heutiges Ziel, liegt bei KM 1. Ein historischer Bau, der durch die Paradoreskette als Hotel betrieben wird. Es hat ein großes Schwimmbecken auf der Klippe direkt über dem Hafenanleger des Fred Olsen Katamarans. Und eine Sauna. Alles eingerahmt von Gebäuden, die aus den 30ern sein können. Ich hol mir einen Coin für die Sauna und versuche eine Position zu finden, in der meine Füße nicht kribbeln und lasse in Gedanken rekapitulieren...
Ich habe den Weg völlig unterschätzt. Ich bin alles in allem etwa 200km gelaufen. Der Weg selbst macht 128km aus. Die Insel ist mit einem Durchmesser von etwa 40km überschaubar. Aber Entfernungen haben hier eine ganz andere Brisanz mit all den vielen, trockenen Schluchten. Das war manchmal zum verzweifeln. Der Norden bietet viel fürs Auge, der Süden wird zu einer Frage der Disziplin und des Durchhaltevermögens. Ursprünglich wollte ich den Weg in 6 Tagen zurücklegen. Das schafft man auch, wenn man keine Lust auf Urlaub hat. Ich bin froh, die Wegpausen eingelegt zu haben. Ohnedem wäre das hier einfach nur extrem anstrengend gewesen. Beeindruckend schön sind das Island und die Wetter. Mein kleines Häuschen in den Bergen war ein richtiger Wohlfühlpunkt und Ausgangspunkt für den Park. Dort habe ich gestern tatsächlich auch offene Schutzhütten mit Etagenbetten für Wanderer gefunden. Es gibt sie also doch.
Jetzt erkunde ich aber erstmal das Hotel. Hier gibt es so viele Kleinigkeiten zu entdecken wie in einem Museum. Erstaunlich finde ich die halboffene Struktur. Wohnzimmerähnliche Salons gehen direkt in den Garten hinaus. Ohne Fenster und Türen, gelegedlich getrennt durch windbrechende Holzgitter. Es sieht herrlich aus. Sowas kann man nur bauen, wenn es weder kalt noch trocken wird.



Übersicht